Dienstag, 4. März 2025

Sind Computerspiele obsolet?

Sind Computerspiele obsolet?

Die Entwicklung der generativen KI hat die meisten Computerspiele in gewisser Hinsicht obsolet bis unnütz gemacht. Um diese Idee zu verstehen, müssen wir vorerst begreifen, dass die Computerspiele als solche in erster Linie fortgeschrittene Stützen für unsere eigene Fantasie sind - sie füttern uns sozusagen mit auditiver und visueller Information, die wir in Echtzeit verarbeiten und in unsere andauernde Fantasiereise implementieren. Wir greifen auf digitale Welten zurück, um unsere Träume und Abenteuer darauf zu projizieren, damit sie durch grafische und akustische Reize bereichert werden könnten.

Der Besuch eines MMORPG ist oft weniger darauf ausgerichtet, ein spezifisches Ziel zu erreichen, sondern vielmehr ein ästhetisch ansprechendes Erlebnis zu genießen. Doch die Fähigkeit der KI, beispiellose Kunstwerke und Geschichten aus dem Nichts entstehen zu lassen, verändert dieses Verhältnis grundlegend. Warum sollten wir noch Zeit investieren, wenn wir mittels eines einfachen Sprachbefehls atemberaubende Landschaften oder charismatische Charaktere erzeugen können?

Ein besonders augenfälliges Beispiel ist die Nachfrage nach bestimmten Arten von Spielcharakteren, insbesondere solchen mit sexuellen Konnotationen. Statt in ein Spiel zu investieren, um einen solchen Charakter zu erhalten, kann man ihn jetzt einfach generieren lassen, und zwar millionenfach. Die von KI fertiggestellten Bilder kann man dann mithilfe einer anderen KI in Videos verwandeln. Das gleiche betrifft schöne Landschaften und sonstige Szenerien, wobei durch die KI-Erstellung auch nötige Abwechslung erzielt wird.

Um eine Landschaft sowie einen anmutigen weiblichen Spielcharakter zu bewundern, brauchen wir nur so etwas wie "a picturesque landscape from the game XYZ" oder "a charming female game character from the game XYZ" eingeben. So wurde zum Beispiel das Titelbild dieses Eintrags mithilfe von Stable Diffusion XL (photopediaXL) erstellt, und zwar mit dem Prompt "rear view of a sexy female game character from Black Desert Online, wearing sexy light armor outside in a village in Serendia".

Das einzige Problem besteht darin, dass heutige KI nicht immer über erforderliches Wissen verfügen, um jeden Wunsch zu befriedigen, so haben zum Beispiel die meisten Bilderstellung-KI keine Ahnung von alten Spielen wie Planescape: Torment, und man würde vergeblich ein schönes Bild der Stadt Sigil oder ein plausibles Porträt des Spielcharakters Annah erwarten, was bedeutet, dass generative KI nicht wirklich imstande ist, ihre Kenntnisse kreativ zu verarbeiten, um fehlende Kenntnisse anhand der verfügbaren zu rekonstruieren. (Allerdings ist generative KI durchaus imstande, ganz neue überzeugende Charaktere zu kreieren).

Abgesehen von diesem Problem wird der Genuss des Schönen zugänglicher denn je. Ein Bild oder eine Szene lässt sich binnen Sekunden erschaffen, wobei die generierte Qualität oftmals selbst professionellen Künstlern Konkurrenz macht. Ebenso bieten fortschrittliche Sprachmodelle tiefgreifendere Erzählungen, die individuelle Emotionen und komplexe Handlungsstränge liefern. Und während es überaus angemessen wäre, zu zweifeln, ob diese Erzählungen der Kunstfertigkeit eines guten Schriftstellers gewachsen sind, kann man mit Sicherheit davon ausgehen, dass die KI eine viel bessere narrative Szenerie anbietet als ein Möchtegern-Autor, der Texte für MMORPGs verfasst.

Die Frage bleibt somit: Wozu überhaupt noch ins Spiel eintauchen, wenn die generative KI alle wesentlichen Komponenten bereitstellen kann? Von atmosphärischen Landschaften über detaillierte Figuren bis hin zu "tiefgreifenden Plots" - alles liegt quasi auf Abruf parat. Dies unterstreicht die zunehmende Irrelevanz herkömmlicher Computerspiele und führt dazu, dass der Wunsch nach interaktivem Vergnügen zunehmend durch "passive" Genussmomente ersetzt wird (in der Tat sind diese Momente eher aktiv, da man sich seiner eigenen Fantasie aktiver bedient als während eines Videospiels). Es scheint, als ob die Kunstwerke der Zukunft einfach ausgedacht statt gespielt würden, umso eher als auch ein jedes Spiel und der Prozess des Spielens nichts anderes als einen Modus des rituellen Austauschs darstellen, wo Spielinhalte Symbole sind, und es geht darum, dass man diese Symbole nun leichter geliefert bekommt.

Anhang

Die Geschichte von Lienne, der Kräuterfrau von Calpheon (Grok 3)

In den engen Gassen von Calpheon, wo der Duft von frisch gebackenem Brot und das Klirren der Schmiedehämmer die Luft erfüllen, lebt eine unscheinbare Frau namens Lienne. Sie ist keine Heldin, keine Abenteurerin, die mit Schwert und Schild die Wildnis durchstreift – nein, Lienne ist eine Kräuterfrau, deren kleine Hütte am Rande des Marktplatzes oft übersehen wird. Ihre Hände sind rau von der Arbeit, ihre Augen müde, doch in ihrem Herzen trägt sie eine Geschichte, die nur wenige kennen.

Lienne wurde in den Slums von Calpheon geboren, ein Kind der Armut, das inmitten des Schmutzes und der Verzweiflung aufwuchs. Ihre Mutter war eine Wäscherin, die für die wohlhabenden Händlerfamilien schuften musste, während ihr Vater, ein Soldat der Stadtwache, in einem der unzähligen Scharmützel gegen die Harpyien fiel, als Lienne noch ein Kleinkind war. Ihre Mutter erzählte ihr oft von ihm – von seinem Lachen, das wie ein warmer Sommerwind klang, und von seinem Traum, eines Tages ein kleines Haus außerhalb der Stadtmauern zu bauen, wo sie alle in Frieden leben könnten. Doch dieser Traum zerbrach, und mit ihm verschwand nach und nach auch die Lebensfreude ihrer Mutter.

Als Lienne zwölf Jahre alt war, starb ihre Mutter an einem Fieber, das durch die überfüllten Straßen der Slums zog. Allein gelassen, hätte Lienne den gleichen Weg wie so viele andere Straßenkinder einschlagen können – Diebstahl, Hunger, ein frühes Ende. Doch eines Tages, als sie in den Müllhaufen hinter dem Markt nach etwas Essbarem suchte, fand sie eine zerfledderte Seite aus einem alten Buch. Es war eine Zeichnung von Heilkräutern, mit verblassten Notizen über ihre Wirkung. Irgendetwas in ihr erwachte – vielleicht die Neugier, vielleicht die Sehnsucht nach einem Sinn. Sie nahm das Blatt mit und begann, die Wiesen außerhalb der Stadtmauern zu durchstreifen, auf der Suche nach den Pflanzen, die darauf abgebildet waren.

Die Jahre vergingen, und Lienne lehrte sich selbst, was sie konnte. Sie sammelte Kräuter, trocknete sie, mischte einfache Salben und Tinkturen. Anfangs lachte man sie aus – eine schmutzige Göre aus den Slums, die glaubte, etwas von Heilkunst zu verstehen? Doch als eine Seuche durch die ärmeren Viertel Calpheons zog und die Priester der Kirche von Elion mit ihren Segnungen nicht allen helfen konnten, war es Lienne, die mit ihren Kräutern zur Stelle war. Sie verteilte ihre Mixturen an die Kranken, saß nächtelang an den Betten von Fiebernden und wischte ihnen den Schweiß von der Stirn. Viele überlebten dank ihr, und langsam sprach sich ihr Name herum.

Heute, Jahrzehnte später, ist Lienne eine stille Legende unter den einfachen Leuten Calpheons. Ihre Hütte mag klein sein, ihre Kleidung abgetragen, doch die Menschen kommen zu ihr – mit einem Husten, einem wunden Bein oder einfach nur, um ihr eine Handvoll Getreide als Dank zu bringen. Sie nimmt nie mehr, als sie zum Leben braucht, und oft sieht man sie abends am Stadtrand, wo sie Kräuter pflanzt, die sie einst als Kind gesucht hat. Manche sagen, sie murmelt dabei leise vor sich hin, als spräche sie mit jemandem, der nicht mehr da ist.

Eines Tages fragte ein junger Abenteurer, der ihre Tinkturen kaufte, warum sie nie versucht habe, mehr aus ihrem Talent zu machen – in die Hauptstadt zu ziehen, reich zu werden. Lienne lächelte nur, ihre Augen glänzten feucht im Licht der untergehenden Sonne. „Mein Vater träumte von einem Haus außerhalb der Mauern“, sagte sie leise. „Ich habe es nie gesehen, aber hier, zwischen den Menschen, die mich brauchen, fühlt es sich an, als hätte ich es gefunden.“

Und so bleibt Lienne in Calpheon, ein stilles Licht in einer Stadt voller Lärm und Ehrgeiz, eine Frau, deren Leben aus kleinen Taten der Güte gewoben ist – und deren Herz, trotz allem, niemals aufgehört hat, an den Traum ihres Vaters zu glauben.

maledictum.org